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Menü 1 als Pulver, bitte!

Man nehme:

  • 40 gr Proteinpulver der Geschmacksrichtung Kokosmakronen-Rum und Kaktusfeigen-Aprikosen-Kuchen zu je gleichen Teilen

  • 5 Tropfen "Zuckerwatte-Vanille-Toffee"- Flavour-Drops

  • etwas Tapiokamehl und Xanthan-Gum

  • 2 EL Flohsamenpudding

  • Erythrit oder Xylit nach Geschmack

  • als Basis kann eine Lupinenkomponente verwendet werden

Alle Zutaten gut mischen und in eine hübsche Schüssel füllen.

Anschliessend mit selbstgemachtem Quinoa-Gojibeeren-Granola auf der rechten Seite, einem halben zerkrümelten Sahne-Zimtzabaione-Proteinbar (aber bitte die Low-Carb-Variante) und Bio-Kakaonibs auf der linken Seite garnieren. Wer's ausgefallen mag, kann noch 5 Himbeeren dazugeben.


Voilà, fertig ist das moderne, supergesunde, zuckerfreie, highprotein Frühstücksmüesli!


Bitte, was…?!



Bestimmt habt ihr euch während des Lesens bis hierhin stirnrunzelnd gefragt, was zur Hölle bei mir wohl nicht ganz richtig ist. Aber jeder der sich mehr als 5 Minuten bei Instagram Posts zu "gesunder Ernährung" anschaut, wird auf ganz viele solcher Rezepte stossen.

  • Die Erklärung bzw. Übersetzung der Zutaten gibt's übrigens am Ende dieses Artikels.


Um meinen Blog zu bewerben turne ich seit ein paar Wochen fleissig auf Facebook und Instagram rum und poste allerlei Dinge. Darunter auch Fotos meines Essen (nur als Lockmittel natürlich, um saltysugar etwas bekannter zu machen).


Dabei werde ich vor allem auf Facebook regelrecht mit "tollen Angeboten" zugespamt:

Unzählige bunte Pülverchen mit Geschmack, die - so das Versprechen - das Aufnehmen fester Nahrung praktisch überflüssig machen. Oder hippe Vitaminpräparate inkl. Mikronährstoffzusätzen, welche die Haut verjüngen, die Nägel schneller wachsen lassen und einen auch noch klüger machen.


Und natürlich alle Formen von Proteinprodukten, ob als Pulver zum Trinken oder Riegel für unterwegs, in allen Farben und Geschmacksrichtungen. Von Creme-Brûlée zu Caipirinha-Limette bis hin zu Bubble-Gum-Schlumpf-Eiscreme (ja, im Ernst).

Es gibt alles, was das (Chemiker)Herz begehrt. Selbstverständlich alles ganz natürlich und total gut für unseren Körper!



Und es gibt tatsächlich mehr als genug Leute, die DAS glauben….! Ich meine, echt jetzt, das Natürlichste an dem ganzen Mist ist wahrscheinlich der Plastik, in dem das Zeug eingepackt ist.

Der Chemie-Hype wird auch kräftig beworben: Influencer und Foodblogger überschlagen sich mit Beiträgen über "gesunde, zuckerfreie Superfoods". Wobei in 98% der Fälle zuckerfrei bedeutet, dass die "Nahrungsmittel" mit Zuckeraustausch- und Aromastoffen angereichert sind, dass die Geschmacksnerven nur schon vom Lesen ein Burn-Out bekommen.


Nennt mich altmodisch, aber ich bin der Meinung, dass Tabletten, Pulver, Kapseln und Zaubertropfen NICHTS mit natürlicher Ernährung zu tun haben.

Und ich frage mich, wann die ganzen Chemiekeulen in unseren Alltag Einzug gehalten haben?

Proteinpulver ist längst nicht mehr nur etwas für muskelbepackte Pumper sondern gehört zu einem gut sortierten Haushalt wie Mehl und Eier (theoretisch, denn auch diese lassen sich selbstverständlich durch trendy klingende Chemie-Alternativen ersetzen).

Das Zeug wird munter in jedes Müesli und jeden Kuchen gemischt, ohne dass die möchte-gern-moderne Hausfrau und der teilzeit-veganlebende Bio-Hippster wissen, was (zu viel) Proteinpulver im Körper anrichten kann, wenn es missbräuchlich oder ohne die angedachte sportliche Aktivität konsumiert wird. Dass man dann davon dick werden kann, ist dabei noch die angenehmste Nebenwirkung.



Lustig finde ich ja auch, dass z.B. in herkömmlichem Magerquark mehr Protein enthalten ist, als in den meisten künstlichen Proteinprodukten und in einem Apfel mehr Vitamine stecken als in überteuerten Tabletten. Ist halt aber nicht so sexy einen Apfel mit Quark zu essen, wie einen bio-veganen-proteinpower-Smoothie aus der Schnabeltasse…äh sorry dem Shaker zu schlürfen.


Jemand hat mir mal gesagt, wenn man sich gesund, saisonal und regional ernähren wolle, solle man nichts essen, was die eigenen Grosseltern nicht kennen. Und so ist es auch.

Würden wir uns mehr auf heimische Produkte besinnen, anstatt wie Schafe jedem Ernährungstrend hinterher zu laufen, würde dies sicher nicht nur unserem Körper, sondern auch unserer Umwelt so einiges ersparen.

Denn schon unsere Grossmutter wusste: "Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern".



An dieser Stelle folgt noch die Erklärung zu all den netten "Müesli Zutaten", welches übrigens frei erfunden und nicht zum Verzehr geeignet ist ;-)

In diesem Sinne, lasst es euch schmecken!


E 100-199: Farbstoffe

E 200-299: Konservierungsstoffe

E 300-399: Antioxidantien

E 400-499: Verdickungs-und Feuchthaltemittel

E 500-599: Säurungsmittel

E 600-699: Geschmacksverstärker

E 900-999: Süssstoffe

Xhantan (Gum):

Ist ein natürlich vorkommendes Polysaccharid. Es wird mit Hilfe von Bakterien der Gattung Xanthomonas zuckerhaltigen Substraten gewonnen und wird als Lebensmittelzusatzstoff mit der E-Nummern E 415 als Verdickungs-und Geliermittel eingesetzt.


Tapioka:

Ist eine nahezu geschmacksneutrale Stärke, die aus der bearbeiteten und getrockneten Maniokwurzel (Kassava) hergestellt wird.


Flavour-Drops:

Aromatropfen bestehend aus Wasser, einem beliebigen Aroma, Süssungsmittel sowie Farb- und Konservierungsstoffen.


Flohsamen:

Getrocknete Samen der Wegerichgewächse Plantago afra und Plantago indica mit Ballast- und Schleimstoffen. Können die Aufnahme pharmazeutischer Wirkstoffe hemmen. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsstörungen und Blähungen. Flohsamen sind allergen und können Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen.


Xylit:

Ist ein Stereoisomere des Zuckeralkohols Pentanpentol. Als Lebensmittelzusatzstoff trägt es die Bezeichnung (E 967) und dient als Zuckeraustauschstoff.


Erythrit:

Ist eine süss schmeckende Verbindung und gehört chemisch zu den Zuckeralkoholen. Es stellt die meso-Form des optisch aktiven Theit dar und wird als Zuckeraustauschstoff verwendet. Es besitzt etwa 50–70 Prozent der Süsskraft von Zucker (Saccharose).

Lupinen:

Sind eine Pflanzengattung in der Unterfamielie der Schmetterlingsblütler innerhalb der Familie der Hülsenfrüchte (Fabaceaeoder Leguminosae). Lupinen gibt es als Gemüsepflanze, Futterpflanze, Zierpflanze und Wildpflanze.

Die Samen insbesondere wilder und Gartenlupinen enthalten Lupinin, einen giftigen Bitterstoff, der den Tod durch Atemlähmung verursachen kann.

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