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Vergeben und (un)vergessen

Aktualisiert: Feb 25

Jeder kennt die beiden Aussprüche "Vergib deinen Schuldigern…" und "Auge um Auge…". Schon hier wird klar, dass man über das Thema "Vergebung" unterschiedlicher Auffassung sein kann. Denn für praktisch jeden Menschen gibt es mindestens eine Sache, die durch nichts und unter keinen Umständen zu verzeihen ist. Etwas, das einfach nicht vergeben werden kann, egal wie sehr es bereut wird.


Was ist der Unterschied zwischen verzeihen und vergeben? Heisst vergeben auch vergessen?

Können wir verzeihen und trotzdem nicht vergeben? Kann man vergessen aber nicht verzeihen und somit nicht vergeben? Und setzt vergeben auch immer verzeihen voraus?


Definition Vergebung gem. Wikipedia:

Durch die Vergebung verzichtet eine Person auf den Schuldvorwurf und auf ihren Anspruch der Wiedergutmachung des erfahrenen Unrechts, ohne die erlittene Verletzung zu relativeren oder zu entschuldigen. Vergebung ist ein vorwiegend innerseelischer Prozess, der unabhängig von der Einsicht oder Reue des Täters geschehen kann.

Bei der Vergebung erlassen wir quasi dem anderen seine Schuld. Wir sprechen ihn davon frei. Und wir befreien uns damit auch selbst von den Gefühlen, die wir damit verbinden.


Verzeihen hingegen wiegt nicht ganz so schwer. Es geht eher in die Richtung des "Zurückziehens" der Anschuldigung oder des Vorwurfes. Das Geschehene wird nicht mehr angesprochen, die Sache gilt als erledigt. Aber damit nicht zwingend auch als vergessen oder vergeben.


Vielleicht spielt dies für die empfangende Person noch nicht einmal so sehr eine Rolle wie für uns selbst. So oder so vermitteln wir dem Gegenüber durch das Verzeihen oder Vergeben, dass wir ihm seine Schuld nicht mehr vorwerfen werden.


Wer an Karma glaubt ist vielleicht der Auffassung, dass es sich für uns nur lohnen kann, zu verzeihen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit sind wir selbst auch nicht frei von Schuld und froh, wenn uns gegenüber auch einmal jemand Nachsicht walten lässt.

Kann jemandem zu vergeben so gesehen ein egoistischer Akt sein? Wir vergeben demnach nicht (nur), damit unser Schuldner Absolution erhält, sondern damit wir unseren inneren Frieden finden und mit dem Geschehenen abschliessen können?

Aber was wenn zu viel Zeit vergangen ist und es "nichts mehr zu verzeihen oder vergeben gibt", weil wir mit dem "erlittenen Unrecht" fertig geworden sind, es verarbeitet haben und darüber hinweg sind. Wenn es uns wahrscheinlich keinen Frieden mehr bringt, wenn wir vergeben, kann man dann überhaupt noch jemanden von seiner Schuld freisprechen? Wäre es gar heuchlerisch, in diesem Falle Grossmut walten zu lassen und doch zu verzeihen? Oder sind wir überhaupt erst an diesen Punkt gekommen, WEIL wir dem anderen in Abwesenheit verziehen haben?


Zu verzeihen bzw. zu vergeben, wenn uns das Geschehene noch belastet, erfordert emotionale Stärke und die Bereitschaft, jemandem eine weitere Chance zu geben.

So oder so ist verzeihen und vergeben - je nach dem, ob man hier einen Unterschied machen möchte - eine sehr persönliche Angelegenheit und hängt vor allem mit unseren eigenen Moralvorstellungen zusammen.



"Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken".

Mahatma Gandhi

©2019 by saltysugar

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