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Zuckerentzug


Ich und bestimmt jeder, der jemals mehr als einen halben Tag mit mir verbracht hat, wird mich als Zuckerjunkie bezeichnen. Zu Recht. Ich esse schon zum Frühstück am liebsten Schokolade, Kuchen oder Kekse (oder alles zusammen) und auch über den Tag verteilt kommt so einiges an Süsskram zusammen.

Über meinen Zuckerkonsum habe ich mir nie gross Gedanken gemacht, egal, was in den Medien propagiert wird oder mir gesundheitsbewusste Bekannte ans Herz legen wollten. Schliesslich bin ich normalgewichtig, gesund und einigermassen sportlich.


Zumindest habe ich mich nicht damit auseinandergesetzt, bis ich eines Tages im Urlaub in einem Wellnesshotel aus Spass einen Atemlufttest zur Messung meines Stoffwechsels gemacht habe. Mit weitreichenden Folgen:

Da stand es - schwarz auf weiss: Mein Wert für Zucker lag laut Atemluftmessung etwa 180% über dem Normalwert. Autsch. Wobei ich hier zu meiner Verteidigung anfügen möchte, dass es am Abend zuvor beim Dessertbuffet einen Schokobrunnen gab, bei dem man sich mit einer Suppenkelle (!!) selbst bedienen konnte...

Der hochmotivierte Fitnessinstruktor empfahl mir also nachdrücklich, unbedingt auf meine Ernährung zu achten und sowohl den Zucker- sowie auch den Milchkonsum drastisch zu reduzieren (1 Liter Milch am Tag soll ja bei Erwachsenen nicht mehr als gesundheitsfördernd gelten).

"Kann ja nicht so schwer sein, mal ein paar Tage gesund zu essen" dachte ich mir.

Nun gut - gesagt, geplant. Zuhause sollte es losgehen: 2-3 Tage ausschliesslich Gemüsesuppe mit wenig Getreide und dann 10 Tage lang keinen Fertigzucker. Dafür möglichst nur regionale, saisonale und unverarbeitete Nahrungsmittel.

Mehr oder minder motiviert startete ich also in das Vorhaben "Zuckerentzug".

Montag, Tag 1, mit Suppe gestartet. Das war wirklich unschön. Als Morgenmuffel ist es sowieso nicht leicht, morgens in die Gänge zu kommen. Aber ohne MILCHkaffee, dafür mit Suppe, hat echt Überwindung gebraucht. Wobei ich sagen muss, obwohl es mir am Morgen von Tag 2 keinesfalls leichter fiel, hätte ich vor lauter Hunger beinahe nicht nur die Suppe, sondern auch die Pfanne gegessen. Und das war noch das Highlight des Tages.

Im Büro habe ich erst mal schweren Herzens die gefühlten 2 kg Süssigkeiten aus meiner Schreibtischschublade an die Kollegen verteilt.

Die ersten Entzugserscheinungen liessen nicht lange auf sich warten: Die Morgenmüdigkeit hielt sich noch hartnäckiger als sonst, ich hätte für einen Keks oder ein Stück Schokolade bald eine Niere hergegeben und von meiner Laune möchte ich gar nicht erst anfangen (hier ein Sorry an alle Direktbeteiligten, es war nicht persönlich gemeint).

"Es tut mir leid, was ich gesagt habe, als ich hungrig war."

Am Abend von Tag 1 musste ich mir eingestehen, dass ich das Vorhaben "Zuckerentzug" mehr als nur unterschätzt hatte. Ich fühlte mich miserabel. Kopfschmerzen, Zittern, Übelkeit, Anflüge von Panik und ich fror die ganze Zeit. Da wusste ich ja nicht, dass Tag 2 noch schlimmer werden würde. Meine Konzentration und Stimmung waren auf dem Nullpunkt und ich habe mir ernsthaft überlegt, ob DAS wirklich irgendwann zu einem guten Ende und einer besseren Gesundheit führen konnte.

Ab Mitte von Tag 3 hatte ich dann endlich das Gefühl, über dem Berg zu sein. Es hat bestimmt geholfen, dass es endlich wieder feste Nahrung gab. Nur schon beim Gedanken an einen weiteren Löffel Suppe bekam ich Schnappatmung.


Die nächsten 10 Tage waren schon fast ein Kinderspiel.

Um das Energiedefizit des fehlenden Zuckers auszugleichen, habe ich die Süssigkeiten durch gesunde Kohlenhydrate (möglichst ohne "versteckten" Zucker) wie Vollkornbrot, Pseudogetreide und hochwertige Fette (2-3 Handvoll Nüsse pro Tag, Olivenöl, Lachs und so weiter) ersetzt. Früchte gibt es nur regionale und saisonale, dafür mehr Gemüse.

Die Lust auf Süssigkeiten hat tatsächlich drastisch nachgelassen, nur der Verzicht auf Milch (zumindest die 1-2 Gläser am Abend) war lange nicht leicht.

Doch ich fing tatsächlich an, mich besser und wohler zu fühlen.

Meine Schlafqualität hat sich deutlich verbessert. Ich schlafe tiefer und ruhiger und fühle mich erholter. Ich habe mehr Energie und keine oder fast keine Tiefs mehr, weil mein Blutzucker nun stabiler ist. Mein Geschmackssinn ist sensibler und Süsses schmeckt tatsächlich viel süsser als vorher.

Obwohl ich an meiner sportlichen Aktivität nichts geändert habe, ist mein Körper definierter. Zudem ist meine Herzfrequenz tiefer.

Ich fühle mich ruhiger und ausgeglichener und bekomme dies auch von meinem Umfeld bestätigt.

Fazit:

Ich kann zwar komplett auf Zucker verzichten, aber es macht nur mässig Spass und ich finde, das Leben ist viel zu kurz, um sich einfach alles zu verbieten. Trotzdem war der kalte Zuckerentzug eine körperliche und emotionale Herausforderung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Ich bin mir sicher, dass es unserer Gesundheit zuträglich ist, wenn wir darauf achten, dass wir uns ausgewogen ernähren. Solange man es nicht übertreibt. Ganz nach dem Motto: "Die Menge macht das Gift".


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