• saltysugar

Zurück aber vorwärts

Rechts oder links? Welche Abzweigung soll man nehmen? Was passiert, wenn wir die falsche Richtung einschlagen? Was geschieht, wenn wir vom Weg abkommen? Woher soll man überhaupt wissen, in welche Richtung man gehen soll, welcher Weg der Richtige ist?

Wie erkennen wir, ob wir uns vorwärts oder rückwärts bewegen? Eine simple Frage, auf welche die Antwort so einfach erscheint.

Aber was, wenn wir uns ohne Wegweiser entscheiden müssen? Und selbst wenn wir überzeugt sind, geradeaus zu laufen, kommt es vor, dass wir im Kreis gehen. Wer sich in der Wüste oder im Wald verirrt, glaubt zwar, eine immer gerade Strecke zu gehen, bis er an seinen Ausgangspunkt zurück gelangt, den Kreis schliesst.


"Ich gehe langsam aber niemals rückwärts." Ein Spruch, den ich lange für wegweisend hielt. Wird doch rückwärtsgehen automatisch mit zurückgehen verbunden. Wobei rückwärts und zurück nicht dasselbe ist. Man kann auch rückwärtsgehend vorwärtskommen und manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um sehen zu können, wohin man gehen will.

Weil man zu nahe ist, das Ganze nicht mehr erkennen kann. Jeder Künstler tritt ab und an einen Schritt von seinem Werk zurück. Um es zu betrachten. Die Stellen zu erkennen, die verbessert oder geändert werden müssen. Mit nur ein wenig Distanz, kann er erkennen, was zur Vollständigkeit noch fehlt.

In einer Welt, in der wir nur vorwärts gedrängt werden, nur laufen, damit wir weiterkommen, wird es irgendwann nicht mehr vorwärts gehen. Getrieben von Erfolgs- und Leistungsdruck, gejagt von der Angst, etwas zu verpassen, versuchen wir, "Zeit wettzumachen", in dem wir noch schneller gehen. Und merken dabei nicht, wie uns die Welt entgleitet. Wir berühren mit der Nase die Leinwand, auf die wir unser Leben malen und können darum das Bild nicht erkennen, das sich direkt vor uns befindet. Einen Schritt rückwärts zu machen bedeutet nicht, Zeit zu verlieren. Einen Moment innezuhalten, der Hektik der Welt um uns herum für einen Moment zu entfliehen, bedeutet nicht, stillzustehen. Sich auf seinem Weg umzudrehen, um in die andere Richtung zu marschieren, ist kein Aufgeben. Manchmal sind wir gezwungen zum Ausgangspunkt zurückkehren, "den ganzen Weg noch einmal zu gehen". Und es wird nie jemals wieder derselbe sein. Auch wenn wir glauben, "von vorn anzufangen", so gehen wir niemals zweimal denselben Weg.

Es braucht Mut, Stärke und den Glauben an sich selbst, sich aus der breiten Masse zu lösen, eine andere Richtung einzuschlagen, nicht immer ganz normkonform zu sein und nach Schema F zu funktionieren.


Es sollte immer "unser Weg" sein. Am Ende sollten wir uns nicht umdrehen und uns fragen, wie zur Hölle wir da hin gelang sind, wo wir stehen, sondern sagen können: "Ich bin angekommen."